Sozialistische Selbsthilfe Mülheim SSM e.V., Düsseldorfer Str. 74, 51063 Köln

Köln, den 02.09.05


Presseerklärung zur Vergabe von Hartz IV- Stellen in Köln (sog. "1 Euro-Jobs")


Zur Zeit werden in Köln Tausende von sogenannten 1 Euro-Jobs geschaffen. Für die beteiligten Träger ergibt sich dadurch die Möglichkeit, ihre Betreuerstellen langfristig abzusichern, da pro Betreuten im Monat von der ARGE aus öffentlichen Mitteln 685.- Euro bezahlt werden. Die Beschäftigen "1 Euro-Jobber erhalten zusätzlich aus öffentlichen Mitteln ihre Zahlungen nach Alg II, ihre Wohnungsmiete und mindestens 1 Euro die Stunde.

Es besteht die Gefahr, dass dadurch Arbeitsverhältnisse des 1. Arbeitsmarktes gefährdet oder beseitigt werden und Menschen ihre Arbeitsstelle verlieren und ihrerseits zu Hartz- IV- Fällen werden. Dies gilt insbesondere für die sogenannten niedrigschwelligen Arbeitsplätze und hier nochmals besonders für Selbsthilfegruppen wie uns, die ohne öffentliche Mittel ihren Lebensunterhalt erwirtschaften.

Der Gesetzgeber hat deshalb im Sozialgesetzbuch strenge Regeln aufgestellt, um den 1.Arbeitsmarkt zu schützen. Im Bereich der ARGE gibt es deshalb eine Kommission aus Gewerkschaften, Handwerkskammer, IHK und anderen Verbänden auf der einen Seite, und öffentlicher Hand und Sozialhilfeträger auf der anderen. Hier wird versucht einen wirksamen Schutz aufzubauen, um Handwerk und Kleinbetriebe zu schützen.

Dies führt dazu, dass die im Grundsatz auch von uns erwünschte Beschäftigung auf das Gebiet der Selbsthilfegruppen drängt, die gerade in Köln seit Jahrzehnten traditionell von Umzügen, Wohnungsauflösungen und Gebrauchtmöbelhandel leben und ein wesentlicher Teil der lebendigen sozialen Struktur der Domstadt sind. Hier findet zur Zeit ein Verdrängungswettbewerb statt, der diese Gruppen in ihrer Existenz gefährdet. Mehr und mehr Gruppen gehen deshalb dazu über, sich selbst in Beschäftigungsgesellschaften umzuwandeln und sich so kostenlose Arbeitskräfte zu sichern und den Vereinsmitgliedern über die Betreuungsgelder gleichzeitig sichere Dauerarbeitsplätze. Dies geht wieder auf Kosten derjenigen Gruppen wie SSK und SSM, die sich an diesem Prozess nicht beteiligen wollen und können. Entgegen der gesetzlichen Vorgabe und den Zusicherungen der ARGE werden sie in ihren angestammten Wirtschaftsbereichen von Beschäftigungsgesellschaften niederkonkurriert.
Obwohl der ARGE diese Situation bekannt ist und sie mehrmals von SSM wie SSK darauf hingewiesen worden ist, wurde keine Abhilfe geschaffen. Im Gegenteil fängt der Verdrängungswettbewerb durch finanzierte und betreute Arbeitskräfte jetzt erst an. Dieser Tage werden wieder Hunderte Stellen vergeben.

Aufgrund dieser Situation sehen wir uns gezwungen uns um Hilfe an die Öffentlichkeit zu wenden. Wir verlangen von der ARGE , dass sie ihren gesetzlichen Auftrag wahrnimmt und Verträge nur mit Trägern abschließt, welche die Gewähr dafür bieten, dass keine Arbeitskräfte verdrängt und die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.
Dies bedeutet, das Zahlungen nur für Beratung, Betreuung und Qualifizierung geleistet werden dürfen, nicht aber für den Betrieb von Zweckbetrieben, welche gewinnorientiert sind.
Deshalb verlangen wir, dass die ARGE sicherstellt, dass die neuen wie die alten Beschäftigungsgesellschaften unverzüglich alle Geschäftsbereiche aufgeben, welche von anderen Gruppen mit selbstfinanzierter Arbeitskraft besetzt sind.
Für den SSM kommt es dabei vor allem darauf an, dass diese Gruppen keine Umzüge und Wohnungsauflösungen mehr durchführen, sondern sich auf die vertraglich festgelegten Bereiche Beratung, Betreuung und Qualifizierung in den Arbeitsbereichen zurückziehen, welche durch bezahlte Arbeit nicht abgedeckt sind, insbesondere Recycling, Möbelabholungen und Restaurierung. Auf diesen Gebieten gibt es noch hinreichend Möglichkeiten für die Durchführung der bezahlten gesetzlichen Aufgaben, und dafür stehen bei den Gruppen in Form von Lastkraftwagen, Lagerraum und Schreinerwerkstätten auch genügend Mittel zur Verfügung. Diese Gruppen sind auch in Vergangenheit immer so kreativ gewesen, sich neue Bereiche zu erschließen.
Die Sozialverwaltung fordern wir auf, innerhalb der ARGE auf diesen Missstand aufmerksam zu machen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.


i.A. Reinhard Röder

Rainer Kippe